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Interpretationsforschung 2010 – Methoden computergestützter Analyse im Kreuzverhör der Disziplinen

Abstracts



Wolfgang Auhagen (Halle)

»In Search of Beauty in Music« – Zur Geschichte der musikpsychologischen Interpretationsforschung

Auch wenn es bereits vor Carl E. Seashore (1866–1949) Ansätze zu musikpsychologisch orientierter Interpretationsforschung gab, so hat doch der Psychologe Seashore mit seinen Untersuchungen diese Forschungsrichtung bis in die heutige Zeit maßgeblich geprägt. Zu erwähnen ist hier beispielsweise die Idee, dass Abweichungen von einer mechanisch gleichmäßigen Wiedergabe im Hinblick auf Tonhöhe, Tondauer und Tonstärke die Quelle ästhetischen Wohlgefallens sind, sowie die Überzeugung, musikalischer Schönheit mithilfe von Messungen und Ausführungs-»Partituren« auf die Spur kommen zu können (In Search of Beauty in Music, New York 1947). Der Vortrag versucht, ausgehend von Seashores Arbeiten einen Überblick über die Geschichte der »performance research« anhand solcher zentralen Ideen zu geben, die kritisch diskutiert werden. Ebenso werden Begriffe, die sich als Standard etabliert haben, wie beispielsweise »expressive timing«, in ihren impliziten theoretischen Annahmen kritisch diskutiert.


»In Search of Beauty in Music« – On the History of Psychomusicological Performance Studies

Although psychomusicological performance studies began already before Carl E. Seashore (1866–1949) it was the psychologist Seashore who significantly influenced this area of research by his studies up to the present day. His idea that deviations from a mechanically strict rendition with respect to pitch, duration, and intensity are the basis of esthetic appreciation should be mentioned in this context. He was convinced that beauty in music could be explained by measuring, notating, and comparing musical performances (In Search of Beauty in Music, New York 1947). The idea of a »performance score« inspired many studies. Starting with Seashore’s work, the paper tries to give an overview of the history of performance studies with a special focus on its basic concepts. Also the implicit theoretical assumptions of standard terminology in performance research will be discussed.



Nicholas Cook (Cambridge)

Das Unüberbrückbare überbrücken? Empirische Musikwissenschaft und interdisziplinäre Interpretationsforschung

Auf den ersten Blick scheint nichts weiter auseinanderzuliegen als interdisziplinäre Aufführungsuntersuchungen, die die Bedeutungsgenerierung in Echtzeit betonen, und die empirische und computergestützte Analyse von aufgezeichneten Aufführungen, die einen zunehmend hohen Stellenwert in der Musikwissenschaft einnimmt: Letztere könnte dafür kritisiert werden, dass sie eher einen traditionellen, textorientierten Zugang auf Aufnahmen anwendet, anstatt Musik als Aufführung zu rekonstruieren. In meinem Vortrag lege ich dar, dass empirische Methoden, angemessen eingesetzt, durchaus in der Lage sind, Aspekte zu erhellen, die sich auf die Konstituierung von musikalischer Bedeutung in der Aufführung beziehen. Anhand von Video-Aufzeichnungen von Chopins Mazurka op. 63/3 mit Grigory Sokolov und anderen versuche ich zu zeigen, dass der Zugang über interdisziplinäre Aufführungsuntersuchungen zu klären hilft, was Aufführungen bedeuten, während stärker empirisch orientierte Wege zu verstehen helfen, in welcher Weise Aufführungen bedeuten, was sie bedeuten. Bei einem so komplexen Phänomen wie der Aufführung bedürfen wir jeder interpretatorischen Waffe.


Bridging the Unbridgeable? Empirical Musicology and Interdisciplinary Performance Studies

At first sight, nothing could be further apart than interdisciplinary performance studies, which emphasizes the generation of meaning in real time, and the empirical and computational analysis of recorded performances that is occupying an increasingly high profile in musicology: the latter could be criticized for applying the traditional discipline’s text-oriented approach to recordings rather than rethinking music as performance. In this chapter I claim that, appropriately applied, empirical methods can elucidate aspects highly pertinent to the performative generation of musical meaning, illustrating my argument by reference to video recordings of Chopin’s Mazurka Op. 63 No. 3 by Grigory Sokolov and others. I conclude that the approach of interdisciplinary performance studies helps to clarify what performances mean, while more empirical approaches help to clarify how performances mean what they mean – and that with as complex a phenomenon as performance, we need every interpretive weapon at our disposal.



Martin Elste (Berlin)

Musik als Klanggeschehen, Interpretation und Mode – Fragen zu Rezeption und Analyse einer Zeitkunst an einem Beispiel mit Maria Callas

Nicht die intellektuelle Erkenntnis über die soziale Bedeutung des Musikmachens, sondern die dank des Computers relativ breit erfahrbare technologische Versatilität einer differenzierten Analyse von Zeitquanten hat dazu geführt, dass seit ungefähr einem Jahrzehnt immer häufiger und detaillierter das Phänomen des musikalischen Tempos empirisch erforscht wird.
Diese Methodik setzt ein Axiom voraus, das so selbstverständlich gar nicht ist. Vielmehr ist dieses Axiom eine rezeptionsästhetische und rezeptionswissenschaftliche Reaktion auf eine technologische Entwicklung, die die Musikrezeption des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. Es geht dabei um die Vorstellung dessen, wozu Musik für den Menschen des 20. Jahrhunderts wurde: zu reinem Klanggeschehen. Die Kategorie des Klanggeschehens ist überhaupt erst die Grundlage dafür, dass sich die Musikwissenschaftler mehr und mehr allein mit Klanganalyse beschäftigen. Sie glauben, damit das Wesen des Musikmachens in seinen ästhetischen und spieltechnischen Unterschieden beschreiben zu können. Viele Fragen tauchen dabei auf. Als was Musik in ihrer geschichtlichen Wandlung überhaupt rezipiert wird, ist nur eine davon. Eine Methodenkritik ist deshalb zunächst vor allem ein Reflektieren über den technologisch-geschichtlichen Wandel der Musik.


Music as »Klanggeschehen«, Performance, and Trend – Issues of Reception and Analysis of a Temporal Art Illustrated by an Example With Maria Callas

It is less the intellectual awareness of the social significance of music-making than the technological versatility of a differentiated analysis of time quanta that has led over the past decade to more frequent and detailed empirical studies of the phenomenon of musical time. This method is based on an axiom that is far from self-evident. It is rather an aesthetic and scholarly reaction to the technological developments that have shaped our appreciation of music over the course of the 20th century. I am referring to a specific category of musical conception that evolved with that century: »Klanggeschehen«, which we could translate as »occurrence of sound«. This category is a key factor in understanding why musicologists in recent years have been so intensely engaged in analyzing sound. They seem to believe that by listing empirical statistical data, they could grasp the essence of music-making in terms of both aesthetics and performance practice. This raises several questions, starting with: in what respect do the historical changes that music underwent affect how and what we perceive and appreciate as music? Any criticism of method therefore requires us in the first place to consider the historical-technological changes of the concept of music.



Marco Fabiani (Stockholm)

Regelbasierte Ausdrucksanalyse und interaktive Resynthese von Audio-Aufnahmen

Der Erfolg von musikbezogenen Video-Spielen wie z. B. Guitar Hero und Rock Band öffnet den Weg zu einem »aktiven Musikhören«. Selbst wenn er kein Musiker ist, interagiert der Hörer mit der Musik und nimmt an der Aufführung teil. Vorgestellt wird ein System, bei dem man mit Hilfe einer Reihe von Aufführungsregeln aufgezeichnete Musik interaktiv und in Echtzeit modifizieren und auf diese Weise musikalischen Ausdruck kontrollieren kann. Das Audiosignal wird mit einer Partitur-Datei synchronisiert, die bestimmte Regeln enthält und die verwendet wird, um einzelne Töne im Audiosignal zu trennen. Tempo, Artikulation, Lautstärke und Klangfarbe werden verändert und die Aufnahme in Echtzeit resynthetisiert. Dabei lassen sich verschiedene Grade von Komplexität in Anschlag bringen, von der simplen Wahl eines bestimmten Ausdrucks (für Laien) bis zur Kontrolle einzelner Regeln (für Experten). Als Benutzerschnittstelle kann eine Maus oder eine Gestenerkennung über Webcams oder Accelorometer eingesetzt werden.


Rule-Based Expressive Analysis and Interactive Resynthesis of Music Audio Recordings

The success of music related video games such as Guitar Hero and Rock Band opened the way to what is called »active music listening«. Even if not being a musician, the listener interacts with the music and takes part in the performance. Such a system is under development which aims at using a set of performance rules to modify pre-recorded music interactively and in real-time, allowing the listener to control the musical expressivity. The audio signal is aligned with a score file containing rules information and is then analyzed to separate different tones. Tempo, articulation and dynamics/timbre are modified and the audio is re-synthesized in real-time. Different levels of complexity can be implemented, from the simple choice of which emotion to express (for naive users), to fine control of each single rule (for expert users). Performance control is done via for example mouse or gestures (e.g. webcams or accelerometers).



Anders Friberg (Stockholm)

Zur semantischen Kluft des Music Information Retrieval: Vorläufige Ergebnisse einer Modellierung wahrnehmungsbasierter Merkmale in Audio-Aufnahmen

Auf dem Gebiet des Music Information Retrieval wurden Modelle für die Vorhersage höherer semantischer Beschreibungen wie emotionaler Ausdruck, Gattung usw. entwickelt, die Merkmale aus Tonaufzeichnungen verwenden. Von diesen Merkmalen wird angenommen, dass sie markante Eigenschaften der Musik widerspiegeln. Jedoch haben sehr wenige Studien verifiziert, ob die extrahierten Merkmale den angenommenen Wahrnehmungskonzepten tatsächlich entsprechen. Um dies zu untersuchen, haben wir mit einer Auswahl von Merkmalen (oder Faktoren) begonnen, die aus früheren musikpsychologischen Studien zu Musik und Emotion aus über einem Jahrhundert stammen (siehe z. B. Gabrielsson und Lindström, 2001). Diese Faktoren beschreiben typischerweise verschiedene Aspekte wie Rhythmus, Harmonik oder Tonhöhe in einer allgemeinen Weise. In einer Reihe von Experimenten wurden Versuchspersonen aufgefordert, eine Auswahl dieser Faktoren im Hinblick auf verschiedene musikalische Inhalte zu bewerten. Die durchschnittliche Bewertung jedes Faktors wurde mit einer Auswahl von technisch extrahierten Merkmalen verglichen, die in früheren Studien verwendet wurden. Ergebnisse werden beim Symposium präsentiert.


Bridging the Semantic Gap in Music Information Retrieval: Preliminary Results of Modeling Perceptual-Based Features in Music Audio

Within the field of Music Information Retrieval, models for predicting high-level semantic descriptions such as emotional expression, genre etc., have been using features extracted from audio recordings. These features are assumed to reflect salient properties of the music. However, very few studies have verified if the extracted features correspond to the assumed perceptual concepts. To further investigate this, we started with a collection of features (or factors) that have emerged from previous music psychology studies regarding music and emotion during more than a century of research (see e.g. Gabrielsson and Lindström, 2001). These factors typically describe different aspects such as rhythm, harmony, or pitch, in a rather general way. In a series of experiments, subjects were asked to rate a selection of these factors for different music data bases. The average rating of each factor was compared with a collection of common features extracted from audio and used in previous studies. Results will be presented at the symposium.



Werner Goebl (Wien)

Die ungleichzeitige Gleichzeitigkeit des Spiels: Tempo Rubato in Magaloffs Chopin und andere Asynchronizitäten

Das relative Timing der einzelnen Stimmen im Klaviersatz zueinander bietet dem ausführenden Pianisten einen enormen interpretatorischen Gestaltungsspielraum. Anhand des Magaloff-Korpus der gesamten Chopin Klavierwerke von 1989 und anderen Beispielen (u. a. Aufnahmen vom Erroll Garner Trio) sollen interpretatorische Asynchronismen wie das »Tempo Rubato« (in seiner früheren Bedeutung, Hudson 1994) oder »Melody Lead« (zeitliche Begleiterscheinung von dynamischer Differenzierung, Repp 1996, Goebl 2001) aufgezeigt und quantifiziert werden. Das computationelle Werkzeug, das zur Auswertung von symbolischen (MIDI) und akustischen Quellen benötigt wird, soll in diesem Vortrag überblicksmäßig beleuchtet werden.


Asynchronous Simultaneity in Piano Playing: Tempo Rubato in Magaloff’s Chopin and Other Asynchronies

The relative onset timing of the individual parts in piano music offers numerous opportunities for deliberate expression to the performer. Effects of asynchrony in piano performance as the »tempo rubato« (in the earlier meaning, Hudson 1994) or the »melody lead« (temporal side-effect of dynamical differentiation, Repp 1996, Goebl 2001) will be investigated in a huge corpus of symbolic (MIDI) performance data (Magaloff’s Chopin from 1989) and other (acoustic) sources (e.g., recordings of the Erroll Garner Trio). The computational tools for analysing the above mentioned sources are discussed in the presentation.



Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich)

Kann musikalische Interpretation eine Geschichte haben? Elemente einer Historik der Interpretationsforschung

Die Idee einer »Historik« als einer »Wissenschaftslehre der Geschichte« wurde von Gustav Droysen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Diskussion gebracht. Setzte ihre Rezeption schon in der Geschichtswissenschaft mit großer Verzögerung ein, so hat sich die Musikwissenschaft mit ihrer Problematik überhaupt erst vor 40 Jahren auseinanderzusetzen begonnen (mit den Grundlagen der Musikgeschichte von Carl Dahlhaus). Für die innerhalb der Musikwissenschaft noch recht junge Disziplin der Interpretationsforschung stellen sich indessen viele der von Droysen anvisierten Fragen noch einmal und auf ganz grundsätzliche Weise neu. Der Vortrag wird zu umreißen versuchen, unter welchen Bedingungen und unter welchen methodischen Voraussetzungen überhaupt an eine Historiographie der musikalischen Interpretation gedacht werden kann.


Can Musical Interpretation Have a History? Elements of a Historiography of Performance Studies

The idea of a »historiology« as a »theory of science of history« was brought forward by Gustav Droysen in the second half of the 19th century. While even its reception in history set in with great delay musicology too only forty years ago began dealing with its challenges (in Carl Dahlhaus’s Grundlagen der Musikgeschichte). Many of the issues addressed by Droysen, however, emerge as being equally vital for the comparatively young discipline of performance studies. This paper attempts to outline in which circumstances and on which methodical conditions a historiography of the musical performance can reasonably be conceived.



Reinhard Kapp (Wien)

Zu einer Geschichte der musikalischen Messkunst

Durch die Musikgeschichte lässt sich ein Prozess der Rationalisierung verfolgen, der immer weitere Dimensionen erfasste und in Theorie und Notation, Komposition und Aufführung seinen Niederschlag gefunden hat. Dabei kann kaum jemals bestimmt werden, welches in diesem System wechselseitiger Abhängigkeiten jeweils die Ursache oder die Wirkung, welches die primäre Intention oder bloße Folge(rung) daraus war. Aber auch soweit wir die Geschichte der Aufführung von Musik bereits überblicken und von der Geschichte des Komponierens und der Musiktheorie isoliert greifen können, ist ein stetiger Zuwachs an Präzision beobachtbar, und lange vor unseren unendlich fein differenzierten Schallmessungen und dem zu diesem Zweck heute verfügbaren Gerätepark hat man versucht, die Musik unter Kontrolle zu bringen, nicht nur im wissenschaftlichen, sondern bald auch in mehr oder weniger künstlerischem Interesse.


About a History of the Art of Measuring in Music

Throughout the history of music a process of rationalisation can be traced that covered more and more dimensions and finally became manifest in theory and notation as well as in composition and performance. In such a framework of mutual dependence it subsequently can almost never be identified what the cause might have been, what the effect and whether a phenomenon can be considered as primary intention or still rather a mere consequence. However, as far as we are already able to review the history of musical performance as being independent from the history of composition and music theory a constant increase of precision can be detected. Long before our by now extremely sophisticated methods of sound measurement and the required highly developed equipment attempts have been undertaken to get hold of music not only in scientific but in a more or less artistic interest as well.



Alexander Kharuto (Moskau)

Präzise Klanganalyse in der Musikwissenschaft: Ziele, Methoden und Ergebnisse

Im Vortrag werden Untersuchungen auf dem Felde der Klanganalyse für musikwissenschaftliche Ziele behandelt, die in Russland im 20. Jahrhundert durchgeführt wurden. Auch das vom Autor seit 1994 entwickelte Computerprogramm (SPAX), das präzise Klangforschungen im Bereich der Volks- und Kunstmusik ermöglicht, wird beschrieben.
Mit Hilfe dieser Software wurden Melodiefiguren im Volksgesang untersucht und Vibratoparameter im Kunstgesang gemessen; auch lässt sich mit ihm der Mechanismus konsonanter »Zwei-Stimmenklänge« im Volksgesang von Tuva erklären.


Precise Analysis of Sound in Musicology: Reasons, Methods, and Results

The paper describes some investigations on the field of highly precise sound analysis for musicological aims which were carried on in Russia in the 20th century. The computer program developed by the author in 1994 (SPAX) which allows for in-depth analysis of folk and art music is focused upon also.
With the help of this software »true« melodic figures of folk song and vibrato parameters of art song have been analyzed; also the sounding mechanism of »vocalize effects« in Tuva throat singing have been explained based on spectrum structure analysis made by the same program.



Kai Köpp (Bern)

Geschichtsbewusstsein in der Interpretationspraxis um 1900

Um 1900 wird es durch Schallaufzeichnungen und Welte-Musikrollen erstmals möglich, das flüchtige Gesamtbild einer musikalischen Interpretation festzuhalten und unter bestimmten technologischen Bedingungen zu fixieren. Das Beziehungsgeflecht aus intentionalen Entscheidungen, unreflektierten Übernahmen, Zufälligem und sogar Missglücktem, das allen musikalischen Live-Darbietungen eigen ist, wird so in bis dahin beispielloser Weise objektiviert. In diesem Beitrag soll exemplarisch das Geschichtsbewusstsein des ausführenden Musikers als eine Kategorie herausgearbeitet werden, die Gegenstand intentionaler Entscheidungen ist und sich vor allem im »Vortrag« der »klassischen Meisterwerke« niederschlägt. Diese Kategorie ist sogar mit musikwissenschaftlichen Methoden greifbar, denn die historische Distanz des Musikers zum Objekt seiner Interpretation ist bereits in den Vortragslehren des frühen 19. Jahrhunderts und den daraus entstandenen »Instruktiven Klassiker-Ausgaben« thematisiert worden. Zu untersuchen bleibt, in welcher Weise sich das Geschichtsbewusstsein (oder auch dessen Negation) in der Interpretation praktisch äußert und wie diese konkreten Äußerungen mit den Mitteln computergestützter Interpretationsanalyse greifbar gemacht werden können – etwa ausgehend von Digitalisierungen von Welte-Musikrollen. Der Beitrag stützt sich auf aktuelle Projekte des Forschungsschwerpunktes Interpretation an der Hochschule der Künste Bern.


Historical Awareness in Performance Practice around 1900

Around 1900 sound recording and the Welte paper roll method for the first time allowed to capture and permanently record the transient phenomenon of a musical performance. That provided in an unprecedented manner a possibility to verify what appears to be at the core of any musical live performance: the interaction of intentionally taken decisions, adoptions often picked up indifferently, things happen by chance or even things going astray. This paper elaborates the historical awareness of the performing musician as a category which is a matter of intentional decision and which is most notably reflected in the performance of the »classical masterpieces«. This category is comprehensible even with musicological methods, since the historical distance between the musician and the object of his interpretation was a central focus already in the early 19th-century performance treatises as well as the succeeding »Instructive Editions of the Classics«. It remains to be examined to what extent the historical awareness (as much as its negation) can be traced in the performance proper and how such concrete statements can be highlighted by means of a computer-aided performance analysis. This contribution draws upon current projects conducted in the field of interpretation research at the Hochschule der Künste Bern.



Daniel Leech-Wilkinson (London)

Musik machen mit Alfred Cortot: Ontologie, Daten, Analyse

Cortots Klavierspiel bietet reichhaltiges Material für Untersuchungen zur Beziehung zwischen Klang, Bedeutung, Emotion, Kalkül, Persönlichkeit, Gesellschaft und Musik. Der Schlüssel dieser Wechselbeziehungen lässt sich mittels einer detaillierten Analyse von Zeit- und Lautheitsdaten seiner aufgenommenen Aufführungen finden. Eine Untersuchung von Cortots Aufnahmen der Chopin-Préludes aus den Jahren 1926 und 1928 (letztere unlängst wiederentdeckt) mithilfe der Software Sonic Visualiser (www.sonicvisualiser.org) dient als Ausgangspunkt für eine Betrachtung von Cortots mythisch-expressiver Spontaneität.


Making Music with Alfred Cortot: Ontology, Data, Analysis

Cortot’s piano playing offers many opportunities to consider the relationship between sound, meaning, emotion, calculation, personality, society, and music. The key evidence at the heart of these interrelationships can be found in a detailed analysis of data describing timing and loudness in his recorded performances. A study of his 1926 and (recently rediscovered) 1928 recordings of Chopin Preludes, viewed through Sonic Visualiser software (www.sonicvisualiser.org), will be used as a focus for a discussion of Cortot’s mythical expressive spontaneity.



Alexander Lerch (Berlin)

Softwaregestützte Parameterextraktion für die musikalische Aufführungsanalyse

Moderne Methoden und Algorithmen aus dem Bereich des Music Information Retrieval, wie sie für die automatische Analyse von Audiosignalen mit Ziel einer Erkennung von Besetzungen, musikalischen Genres oder eines musikalischen Stimmungsgehalts eingesetzt werden, sind auch für eine Analyse musikalischer Aufführungen geeignet. Der Vortrag gibt einen Überblick über für die Aufführungsanalyse relevante Ansätze zur Extraktion von Parametern und Parameterklassen bezüglich Tempo, Dynamik und Klangfarbe einer musikalischen Interpretation sowie deren Anwendbarkeit auf Aufnahmen von einstimmigen und mehrstimmigen Besetzungen. Vorgestellt wird eine neu entwickelte Softwarebibliothek zur Analyse und zum Hörvergleich von musikalischen Interpretationen im Abgleich mit dem als MIDI-Signal vorliegenden Notentext.


Software-Based Extraction of Parameters for Musical Performance Analysis

Modern methods and algorithms in the field of music information retrieval, which are primarily used for genre classification, for the detection of musical instruments or for the assignment of emotional attributes, can also be used for a musical performance analysis. We will give an overview of parameters and parameter classes related to tempo, dynamics, and timbre of musical interpretations that can be applied to monophonic and polyphonic audio sources. We will present a newly developed software library for the analysis and for the comparative evaluation of musical interpretations, using the score as additional information.



Heinz von Loesch/Fabian Brinkmann (Berlin)

Beethovens Appassionata von Frederic Lamond (1927) bis András Schiff (2007) – Untersuchungen zu Tempo und Agogik

Wird der Konzentration einer technikgestützten Interpretationsforschung auf Fragen von Tempo und Agogik gerne mit Geringschätzung begegnet – die Gegner einer messenden Interpretationsforschung reden von unzulässiger Reduktion einer komplexen Wirklichkeit allein auf gut messbare Faktoren, die Softwareentwickler erachten das Problem prinzipiell als gelöst –, so betont der vorliegende Vortrag noch einmal die anhaltende Bedeutung der Fragestellung: Tempo und Agogik sind nicht nur die am besten messbaren Parameter der Interpretation, sie sind auch sonst für einen rationalen Diskurs über musikalische Interpretation die aussagekräftigsten Toneigenschaften. Wesentliche Merkmale epochaler Appassionata-Interpretationen, etwa die Artur Schnabels oder Svjatoslav Richters, lassen sich über eine genaue Messung und differenzierte Deutung von Tempo und Agogik erfassen. Und der Wandel der Appassionata-Rezeption spiegelt sich ganz entschieden auch in einer veränderten Gestaltung der musikalischen Zeit. Die Interpretationsforschung bedarf nach wie vor einer möglichst großen Zahl an Tempomessungen, vielfältiger und vielschichtiger Fragestellungen sowie Softwares, die Tempomessungen und ihre Auswertung erleichtern. Der Vortrag berichtet über Ergebnisse des am Staatlichen Institut für Musikforschung und dem Fachbereich Audiokommunikation der TU Berlin laufenden »Appassionata-Projekts«, bei dem allerdings nicht nur Tempo und Agogik gemessen werden.


Beethovens Appassionata from Frederic Lamond (1927) to András Schiff (2007) – Studies in Tempo and Agogics

A performance analysis centred on computational studies regarding tempo and agogics is often met with contempt – while the opposition to measuring performance studies denounces the reduction of a complex reality to measurable parameters as being inappropriate the software developers in contrast consider the problem solved. This paper once more emphasises the persistent relevance of this issue: tempo and agogics are not only the best measurable parameters of a performance, they are also the most significant qualities in a rational discourse on musical performance. Essential attributes of such epoch-making recordings of the Appassionata as the ones by Artur Schnabel or Svjatoslav Richter can be captured by exact measurements and differentiated interpretation of tempo and agogics; and the change of the reception of the Appassionata is being crucially reflected in a change of the way musical time is shaped. Performance studies still require a significant number of measurements of tempo, a range of multifaceted challenges, and software solutions which are able to facilitate the measurements and their evaluation. This paper reports on results and achievements of the »Appassionata-Projekt« conducted jointly by the Staatliches Institut für Musikforschung and the Fachbereich für Audiokommunikation der TU Berlin – in which course though not only tempo and agogics are being measured.



Hans-Joachim Maempel (Berlin)

Musikaufnahmen als Datenquelle der Interpretationsanalyse

Gegenwärtige Überlegungen zur Beeinflussung musikalischer Interpretationen durch Bedingungen der Musikaufnahme und -wiedergabe konzentrieren sich auf technische Artefakte und deren Kompensation durch die geeignete Wahl von Überspielgeräten und -parametern sowie ggf. durch Audiorestauration. Als Gütereferenz dient dabei der mutmaßliche Originalklang, nachdem die einstigen Übertragungseigenschaften in der Regel nicht ausreichend bekannt sind. Soll der Originalklang zugleich Gegenstand der Interpretationsanalyse sein, dürfte nur derjenige Anteil perzeptiv relevanter Audiomerkmale kompensiert werden, der auf den Einfluss des Übertragungssystems zurückgeht.
Es werden empirische Befunde vorgestellt, die einen nicht unerheblichen Einfluss von Produktionsschritten auf interpretative und/oder ästhetische Merkmale zeigen und auf eine perzeptive Untrennbarkeit von Aufführungs- und Produktionsfaktoren hindeuten. Der Vorgang der Musikproduktion scheint insoweit kaum hintergehbar, und er umfasst weitreichende, gleichwohl wenig thematisierte, künstlerische Maßnahmen, u.a. die Klangbildgestaltung.
Vor diesem Hintergrund sind die Vorstellung der Abbildung eines Originals ebenso zu hinterfragen wie die Zielrichtung und der Nutzen von Maßnahmen zur Audiorestauration. Schließlich wird die Diskussion aufgegriffen, auf welche Interpretationsmerkmale aus Musikaufnahmen zuverlässig geschlossen werden kann.


Recordings as Data Sources for Interpretation Research

Considerations on the influence of the process of music recording and reproduction on musical performance focus mainly technical artefacts and their compensation or minimization by means of an adequate selection of transfer equipment and its parameterization, or of audio restoration, if required. Thereby, the perceived sound presumed to be original serves as reference, since the erstwhile transmission characteristics generally are not sufficiently known. In case the original sound is subject of performance analysis, audio characteristics should only be compensated to the extent they had been introduced by the transmission system.
However, empiricial findings will be presented, showing a considerable influence of production stages on performance and/or aesthetic characteristics and indicating a perceptual inseperability of performance and production factors. The process of music recording appears to be undissociable from the process of performance, and it comprises extensive however in this context hardly thematized artistic tasks, e.g. the sound design.
Against this background the idea of a somehow reproduced original sound as well as the intention and the usefulness of audio restoration has to be questioned. It will be tied in with the discussion which performance characteristics can reliably be determined on the basis of music recordings.



Meinard Mueller (Saarbrücken)

Automatisierte Methoden zur Unterstützung der Interpretationsforschung

Bei der automatisierten Verarbeitung von Musikdaten steht man aufgrund der Vielfältigkeit von Musik in Form und Inhalt vor großen Herausforderungen. Bei dem noch jungen Forschungsgebiet des »Music Information Retrieval« (MIR) geht es um die Entwicklung von Methoden und Systemen, die Benutzern große, in digitaler Form vorliegende Musikkollektionen in vielfältiger Weise zugänglich machen. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über neue Entwicklungen im MIR-Bereich. Dabei werden unterschiedliche Aspekte der computerbasierten Musikanalyse und Interpretationsforschung sowie der Entwicklung neuartiger Benutzerschnittstellen diskutiert. Insbesondere wird auf Synchronisationverfahren eingegangen, die zu einer bestimmten Position innerhalb einer Darstellung eines Musikstücks (z. B. in einer CD-Aufnahme) die entsprechende Stelle innerhalb einer anderen Darstellung (z. B. in einem Notentext) bestimmen. Solche Verlinkungsstrukturen können unter anderem zur multimodalen Musiknavigation und zum automatisierten Vergleich unterschiedlicher Interpretationen eines Musikstücks eingesetzt werden.


Automated Methods for Supporting Music Performance Studies

Because of the variety of music in form and content, the automated processing of music data poses many interesting challenges. In the emerging field of »Music Information Retrieval« (MIR) research efforts are directed towards the development of methods and systems that allow users to access digital music collections in various ways. This presentation gives an overview of new developments in the field of MIR, addresses various aspects of computer-based music analysis and performance studies, and introduces novel user interfaces. In particular, synchronization techniques are discussed which, for a given position in
one representation of a piece of music (e. g., a CD recording), determine the corresponding position within another representation (e. g., a musical score). Such linking structures can be used not only for multimodal music navigation but also for an automated comparison of different performances of a piece of music.



Tobias Pfleger/Thomas Seedorf (Karlsruhe)

Tempo als relationaler Parameter – Überlegungen zur Interdependenz von Tempo und metrischen Schwerpunktbildungen

Jede Analyse stellt notwendigerweise einen Zergliederungsprozess dar. Interpretationsanalyse war lange Zeit geprägt von der Aufsplitterung einer musikalischen Interpretation in ihre einzelnen Parameter. Vor allem das Tempo als exakt messbare Größe stand hierbei meist im Mittelpunkt des Interesses, wobei leicht die Abhängigkeit des Tempos von anderen Elementen der Interpretation außer Sicht geraten konnte. Der Beitrag setzt sich zum Ziel, Korrelationen zwischen einzelnen Parametern anhand einiger Beispiele zu beschreiben und durch die Darstellung der Interdependenz von Tempo und metrischen Schwerpunktbildungen musikalische Interpretation als zusammenhängendes, durch funktionale Beziehungen bestimmtes Gefüge in den Blick zu nehmen.


Tempo as Relational Parameter – Thoughts on the Interdependence of Tempo and Establishment of Metrical Emphasis

Any analysis necessarily represents a process of dissection. Over a long period the analysis of performance has been marked by the fragmentation of a musical performance in its individual parameters. Owing to its capacity of being accurately measurable of prime interest was the tempo whereas the fact that tempo is evidently dependent on other elements of the performance too readily happened to drop out of sight. Based on several examples this paper aims to examine the correlations between individual parameters and, by demonstrating the interdependence of tempo and the establishment of metrical emphasis, to establish interpretation as a coherent structure governed by functional relations.



Norbert Schnell (Paris)

Playing and Replaying – Musikalische Analyse und Resynthese mit gestischer Gestaltung bei der Entwicklung interaktiver musikalischer Medien

Der Beitrag beschäftigt sich mit technologischen und musikalischen Aspekten bei der Entwicklung neuer interaktiver musikalischer Medien, die auf digitalen Musikaufnahmen basieren. Motiviert durch Anwendungen in der Musikpädagogik und bei digitalen Musikspielen, verbinden sich hier Praktiken des Musikhörens mit denen der Aufführung, indem einem Benutzer (dem »Ausführenden« oder »Spieler«) Zugang zu Parametern der Aufführung und Interpretation von Musikaufnahmen gegeben wird.
Digitale Musiksysteme bieten in der Regel eine Repräsentation von Musik und Klang in Form von Daten (Audiodateien, Notentexten) sowie generative Prozesse für musikalische Strukturen und Klänge, ohne eine spezifische Verbindung zu den Gesten und Bewegungen eines Interpreten herzustellen.
Die vorgestellten, neuen Anwendungen führen dagegen zunächst eine Vorab-Analyse und Annotation von Musikaufnahmen sowie eine Analyse der Aktionen des Interpreten in Echtzeit durch. In den vergangenen Jahren wurden hierbei verschiedene Modelle und Techniken für die Beziehung zwischen Gesten und Musik bzw. Klang erprobt.
Der Beitrag gibt einen Überblick über verschiedene Elemente beim Design dieser Anwendungen, von der Analyse von Klang und Gesten bis zum Entwurf spielerischer Szenarien mit außermusikalischer Metaphorik.


Playing and Replaying – Sound and Music Analysis/Resynthesis and Gestural Embodiment in the Development of Interactive Music Medias

This article elaborates on technological and musical aspects involved in the development of novel interactive music medias based on digital music recordings. Our work is driven by the development of applications in music pedagogy and digital music games joining technologies and practices in music listening with those in music performance. These developments attempt to give a user (the »performer« or »player«) access to particular aspects of music performance and interpretation while relying on recordings of music performances.
Digital music systems allow for the representation of sound and music in form of documents (i. e. sound files and scores) as well as generative processes that model sound and musical structure without imposing a particular relationship between the movements and gestures of the performer and the induced sound and musical structure.
The applications we are developing are based on the offline analysis and annotation of music recordings as well as the real-time analysis of the performers actions. Over the past years, we developed different technologies and models for the relationship between movement/gesture and sound/music creating different opportunities for musical playing.
The article will summarize various aspects in the design process of these applications ranging from sound and gesture analysis and resynthesis to the creation of playful scenarios based on extra-musical metaphors.



Thomas Synofzik (Zwickau)

Methoden und Probleme der Interpretationsforschung am Beispiel von Schumann-Einspielungen

Am Beispiel von Einspielungen einzelner Werke Robert Schumanns aus den Bereichen Sinfonik, Kammermusik, Lied und Klaviermusik werden Möglichkeiten der computergestützten Analyse aufgezeigt. Sie betreffen Fragen des absoluten Tempos, der relativen Tempomodifikationen, der Phrasierung, der Dynamik und Artikulation, der Asynchronizität von linker und rechter Hand beim Klavierspiel, des Vibrato und der Intonation. Probleme liegen zunächst in Auswahl und Genauigkeit der Messungen, sodann in der Veranschaulichung der Resultate. Als besonders wichtig erscheint die Interpretation der Ergebnisse in Rückbindung an historische theoretische Quellen, was an einigen Beispielen aufgezeigt werden soll.


Methods and Problems of Performance Studies Exemplified by Schumann Recordings

Recordings of Robert Schumann’s symphonic works, chamber music, songs, and piano music are taken as examples to demonstrate the potential of computational performance analysis. This concerns questions of absolute tempo, of tempo variety, of phrasing, of dynamics and articulation, of asynchronicity between left and right hand in piano playing, of vibrato and intonation. The question of selection and accuracy of the measurements turned out to be as problematic as the visualisation of the results. As particularly important, however, appears to be the interpretation of the results in the light of contemporary theoretical writings, a connection that will be shown in some examples.



Stefan Weinzierl/Hans-Joachim Maempel (Berlin)

Zur Validität technischer Prädiktoren für die Qualitäten von musikalischen Interpretationen

In einem Hörversuch wurden drei Werke des klassisch-romantischen Repertoires (Mozart, Klaviersonate KV 332; Beethoven, Streichquartett op. 130; Schumann, Fünf Stücke im Volkston op. 102) in jeweils 16 auf Tonträgern vorliegenden Interpretationen von Expertenhörern bewertet, die sich zunächst auf ein Konsensvokabular von Merkmalen zur Beschreibung der Qualitäten musikalischer Interpretationen verständigt haben. Gleichzeitig wurden alle Einspielungen durch eine neu entwickelte Softwarebibliothek zur Extraktion von musikalischen Parametern zu Tempo, Dynamik und Klangfarbe analysiert (siehe den Beitrag von Alexander Lerch, Softwaregestützte Parameterextraktion für die musikalische Aufführungsanalyse). Im Vortrag werden die Ergebnisse des Hörversuchs vorgestellt, insbesondere eine Analyse der Korrelation technischer Parameter mit den im Hörversuch erhobenen perzeptiven Merkmalen. Diskutiert werden soll die grundsätzliche Frage, inwieweit das akustische Signal Unterschiede in den wahrgenommenen Qualitäten musikalischer Interpretationen erklären kann.


Validity of Signal-based Predictors for the Quality of Musical Interpretations

Three works of the classical-romantical repertoire (Mozart, Piano Sonata KV 332; Beethoven, String Quartet op. 130; Schumann, Fünf Stücke im Volkston op. 102), each with 16 recorded performances, were evaluated by expert listeners using a consensus vocabulary of attributes related to the specific quality of the musical interpretation presented. All recordings were additionally subjected to a technical analysis extracting features from the audio signal presumed to be related to tempo, timbre and dynamics of the individual interpretation (see the presentation of Alexander Lerch, Software-Based Extraction of Parameters for Musical Performance Analysis). The results of the listening test will be presented, as well as an analysis of the correlation between extracted features and perceptive attributes. We will discuss the general question in how far the qualities of a musical interpretation are communicated by the acoustical message alone.