Der frühe Hammerflügel
Wissenschaftliches Colloquium im Musikinstrumenten-Museum SIMPK
Sonntag, den 25. April 2004
Beiträge:
- Conny Restle: Idee und Realisierung. Bartolomeo Cristoforis Weg
- Denzil Wraight: Wie war Cristoforis klangliche Vorstellung vom neuen Instrument?
- Wolf Dieter Neupert: Gottfried Silbermanns Hammerflügel - Eine Kopie Cristoforis?
- Günther Wagner: Der frühe Hammerflügel - Wunsch und Wirklichkeit

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Die Erfindung der Hammermechanik und des Hammerflügels - eine instrumentenbautechnische Meisterleistung - durch den Florentiner Cembalobauer Bartolomeo Cristofori in den Jahren kurz vor 1700 bewirkte einen Umbruch in der Musik. Denn nun war es auf dem Tasteninstrument, dem Hammerflügel, möglich, den großen Dynamikbewegungen der Streicher und Sänger vom Piano bis zum Forte zu folgen. Aber auch das Solospiel, das sich an den musikalischen Möglichkeiten der Sänger und der Streicher orientierte, gewann gegenüber dem Kielflügel mehr und mehr an Ausdrucksvermögen und klanglicher Vielfalt, weshalb sich Komponisten und Musiker wie Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach oder Domenico Scarlatti bereits sehr früh und intensiv mit den Möglichkeiten des neuen Tasteninstruments befasst haben.
Im Rahmen des Symposiums "Der frühe Hammerflügel" wurden zuvor in zwei Konzerten Instrumente aus der Florentiner Werkstatt von Cristofori mit denen des sächsischen Orgel- und Klavierbauers Gottfried Silbermann verglichen und im Anschluss daran deren spannende Entwicklung in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in vier Fachreferaten vorgestellt. Dabei wurden zum einen die Voraussetzungen zur Entwicklung des Hammerflügels beleuchtet, zum anderen die Probleme und Schwierigkeiten bei der Planung und beim Bau von Pianoforte-Instrumenten dargestellt. Gedanken zur Akzeptanz, zu Reaktionen der Komponisten und zur Musik für das Hammerklavier rundeten die Präsentation ab.
Seit zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Conny Restle mit der Frühzeit des Hammerklaviers und zentral mit der epochalen Erfindung Bartolomeo Cristoforis. Ihre zahlreichen Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen zum Phänomen und zur Geschichte des Pianoforte waren Grundlage für die von ihr in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Deutsche Klavierindustrie im Jahr 2000 konzipierte Sonderausstellung "Faszination Klavier: 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland".
Denzil Wraight hat sich seit Jahren sowohl als Musikhistoriker wie auch als Instrumentenbauer intensiv mit italienischen Cembali und mit dem frühen italienischen Hammerflügel auseinandergesetzt. Sein Instrument, das sich ganz an den Grundsätzen Cristoforis und seines Schülers Giovanni Ferrini orientiert, offenbart in klanglicher, spieltechnischer und gestalterischer Hinsicht eindrucksvoll den Genius und die einzigartige technische Leistung Bartolomeo Cristoforis, der handwerklich seiner Zeit weit voraus war.
Das Musikinstrumenten-Museum besitzt den Nachbau eines originalen Hammerflügels von Gottfried Silbermann, der aus dem Neuen Palais in Potsdam stammt, und der in enger Zusammenarbeit mit unserem Museum von Wolf Dieter Neupert - selbst Physiker, Klavierbauer und Cembalist - in den Werkstätten J. C. Neupert in Bamberg gefertigt wurde. Wolf Dieter Neuperts Flügel repräsentiert klanglich und spieltechnisch jenes Instrument, auf dem Johann Sebastian Bach 1747 in Potsdam vor Friedrich dem Großen improvisiert hat.
Günther Wagner hat sich als Musikwissenschaftler und Pianist seit langem der Frühzeit des Klavierspiels und der Klavierliteratur gewidmet. Er gilt als intimer Kenner der Musik Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bachs, von denen die ersten Kompositionen für Hammerflügel in Deutschland bekannt sind. Besonders vertraut sind Günther Wagner die Musikgeschichte Berlins und Potsdams im 18. Jahrhundert sowie Fragen zur Aufführungspraxis.
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
